Hallo Ralf,
ich komme aus der Fotobranche und durfte diese Entwicklung live miterleben. Ich habe das heute schon mal bei meiner Vorstellung hier im Forum angerissen.
Ich habe 1986 schon mal als Aushilfe ( noch als Schüler ) bei einem Filialisten anganfangen der erst 8 Filialen hatte. 1987 startete ich meine Ausbldung zumm Fotofachverkäufer dort. Der Laden gefiel mir. Nicht so spießig, man hatte echt Spaß bei der Arbeit. Die Kunden waren locker drauf. Ich konnte über Kameras beraten, Tips zum Fotografieren geben, der Chef ( der ganz oben ) hatte immer ein offenes Ohr für die Probleme seiner Mitarbeiter. Der Laden lief gut, zur Weihnachtszeit standen die Leute teilwiese in Dreierreihen um bedient zu werden. Mein Traumjob... Der Verdienst war zwar... na ja, lassen wir das aber trotzdem gefiel es mir.
Ich glaube 1991 war es wurde der Laden umgebaut, moderner, klarer und... ungemütlicher. Man wollte ja mithalten mit den neuen "Kartonstapelmärkten". Der Druck wuchs... die Kundschaft änderte sich und zwar in die Richtung : Ich will keine Beratung.. ich will wissen was das kostet. Ätzend.. Hinzu kamen längere Arbeitszeiten, Personal wurde abgebaut, die Kunden immer fordernder und bald brauchte man eigentlich gar nicht mehr beraten sondern nur noch rausgeben. 1993 war ich bereits derjenige der am zweitlängsten in dem Laden arbeitete, mittlerweile gab es 50 Läden und die Angestellten wechselten sehr häufig. Die Bezahlung war mies und wurde auch nicht besser als ich plötzlich als stellvertretender Filialleiter da stand.
Na ja, ich hatte ja noch meine Leica, Hasselbald etc Kunden und alle die mal richtig Geld ausgeben wollten aber die waren auch bald gesättigt.
Dummerweise habe ich mir angewöhnt so zu arbeiten als wenn das mein eigener Laden wäre und zudem noch kundenorientiert. DAS war mein Fehler. Nachdem ich in dem Laden schon neben dem Filialleiter Spitzenverdiener war ( lustig, lustig... ) habe ich mir einige "Bolzen" erlaubt wie z.B. mal Kritik am Zentraleinkauf zu äußern weil man zu Weihnachten nur den alten Kram hat und nicht die aktuellen Sachen.
Den Klops beging ich dann wohl als ich einem Kunden schnell ein Objektiv besorgte. Nachdem ich das über die Zentrale betsellt hatte kam nach 14 Tagen nicht etwa das Objektiv sondern der Zettel zurück mit der Bemerkung "Zur Zeit nicht lieferbar". Da mir nun keiner sagen konnte WANN es denn nun wieder lieferbar ist, rief ich bei Sigma selbst an : Hi Leute, Objektiv XY, Anschluß ZB, wann gibt es das wieder ? " Wieviel willste haben, das Ding ist am Lager" Ähh, seit wann ? SChon immer... Also..sowas... EINES, direkt in die Filiale, mein Kunde wartet.
Tja, dafür habe ich den ersten Rüffel bekommen was ich mir einbilden würde das direkt zu bestellen. Damit war das Maß voll und man mobbte mich elegant heraus.
Das Einstellungsgespräch meines Nachfolgers ( ein Taxifahrer ohne Ahnung von der Fotografie, Eigner einer ganz einfachen Knipskiste ) durfte ich dann auch noch machen.
Seit dem hatte ich die Schnauze voll von der Branche. Ich hätte zwar gleich im Konkurenzunternehmen anfangen können aber ich habe dankend abgelehnt.
Ich habe mit zu gesehen wie immer mehr kleine Fotoläden über Kopp gingen und traf auch in der Innenstadt immer mal wieder Stammkunden von mir die mich fragten warum ich da nicht mehr arbeiten würde. Einmal bin ich sogar mit einer Kundin mitgegangen weil sie was spezielles suchte für die Dunkelkammer und leute da einfach keinen Durchblick mehr hatten.
Derzeit wiederholt sich das Ganze gerade wieder. Ich bin selbstständig in der Möbelbranche ( bei unserer Familie in 3. Generation ) und die Leute wollen, billig, billig, billig... Beratung : Nein, danke. Ich opfere mich wirklich auf aber es hat einfach keinen Sinn mehr. Neulich war auch eine Kundin ganz erstaunt was man alles wissen kann über die Polsterung einer Garnitur und das man das als Kunde ja gar nicht erfährt sonst.
Tja, evtl. wachen die Kunden ja mal auf... "Geiz ist sch..."
Grüße
Tom