In Gedenken... im Foto Forum (GALERIE: Schwarz/weiß)

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Thema: In Gedenken...  (Gelesen 654 mal)
« am: März 01, 2010, 15:24:42 »
nico-e420
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an die Gefallenen im ersten Weltkrieg.

Ich habe lange überlegt, ob ich die Bilder überhaupt einstellen soll. Habe mich dann doch dafür entschieden, da es nun mal zur Geschichte und nicht verdrängt gehört.
Dazu ein Gedicht welches ich zum Thema gefunden habe. Quelle ist eine Seite, die sich mit dem ersten Weltkrieg auseinandersetzt.

Der Tod fürs Vaterland
Du kömmst, o Schlacht! schon woogen die Jünglinge
Hinab von ihren Hügeln, hinab in's Thal,
Wo kek herauf die Würger dringen, -
Sicher der Kunst des Arms, doch sichrer.

Kömmt über sie die Seele der Jünglinge,
Denn die Gerechten schlagen, wie Zauberer,
Und ihre Vaterlandsgesänge
Lähmen die Kniee den Ehrelosen.

O nimmt mich, nimmt mich mit in die Reihen auf,
Damit ich einst nicht sterbe gemeinen Tods!
Umsonst zu sterben, lieb' ich nicht, doch
Lieb' ich, zu fallen am Opferhügel.

Für's Vaterland, zu bluten -des Herzens Blut
Für's Vaterland - und bald ists gescheh'n! Zu euch,
Ihr Theuern! komm' ich, die mich leben
Lehrten und sterben, zu euch hinunter!

Wie oft im Lichte dürstet' ich euch zu seh'n,
Ihr Helden und ihr Dichter aus alter Zeit!
Nun grüßt ihr freundlich den geringen
Fremdling und brüderlich ist's hier unten;

Und Siegesboten kommen herab: Die Schlacht
Ist unser! Lebe droben, o Vaterland,
Und zähle nicht die Toten! Dir ist,
Liebes! nicht Einer zu viel gefallen.


Quelle: http://www.weltkrieg.husfeld-online.de/



* 1st_WW_01.jpg (249.48 KB, 900x514 - angeschaut 21 Mal.)
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LG Nico

"Bilder zu schießen ist die schönste Art jagen zu gehen."

Almut Adler, 1951, münchner Fotokursleiterin
« Antworten #1 am: März 01, 2010, 16:29:44 »
Jens
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Beiträge: 4.943


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Die Bilder machen nachdenklich, das Gedicht allerdings ist mir eindeutig zu undifferenziert. Ich weiß, wir Deutschen haben da ein verständlicherweise anderes Verhältnis dazu. Aber solche Sätze

Zitat
Lebe droben, o Vaterland,
Und zähle nicht die Toten! Dir ist,
Liebes! nicht Einer zu viel gefallen.

Solche Sätze waren die Durchhalteparolen für zwei Weltkriege die von deutschem Boden ausgingen und die wirklichen Motive hinter falschem Vaterlandsstolz verschanzten.   
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"Deine Kamera macht echt tolle Fotos." - "Dein Herd macht echt tolles Essen."
»Hinweise zur Bildbesprechung  »Foto FAQ Linksammlung | »Fotograf Berlin | Hochzeitsfotograf Berlin
« Antworten #2 am: März 01, 2010, 16:48:32 »
FrauHolle
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Die Bilder finde ich sehr beeindruckend in ihrer Aussage, wie eigentlich jeder Soldatenfriedhof, egal aus welcher Zeit und aus welchem Krieg er stammt, immer eine starke Aussage hat.
Aber das Gedicht schickt mir eisige Schauer über den Rücken. Es ist kriegsverherrlichend.
Da halte ich es doch lieber mit Konstantin Wecker:

Es ist an der Zeit

Weit in der Champagne im Mittsommergrün
Dort wo zwischen Grabkreuzen Mohnblumen blüh'n
Da flüstern die Gräser und wiegen sich leicht
Im Wind, der sanft über das Gräberfeld streicht
Auf deinem Kreuz finde ich toter Soldat
Deinen Namen nicht, nur Ziffern und jemand hat
Die Zahl neunzehnhundertundsechzehn gemalt
Und du warst nicht einmal neunzehn Jahre alt

Ja, auch dich haben sie schon genauso belogen
So wie sie es mit uns heute immer noch tun
Und du hast ihnen alles gegeben:
Deine Kraft, deine Jugend, dein Leben

Hast du, toter Soldat, mal ein Mädchen geliebt?
Sicher nicht, denn nur dort, wo es Frieden gibt
Können Zärtlichkeit und Vertrauen gedeih'n
Warst Soldat, um zu sterben, nicht um jung zu sein
Vielleicht dachtest du dir, ich falle schon bald
Nehme mir mein Vergnügen, wie es kommt, mit Gewalt
Dazu warst du entschlossen, hast dich aber dann
Vor dir selber geschämt und es doch nie getan

Ja, auch dich haben sie schon genauso belogen
So wie sie es mit uns heute immer noch tun
Und du hast ihnen alles gegeben:
Deine Kraft, deine Jugend, dein Leben

Soldat, gingst du gläubig und gern in den Tod?
Oder hast du verzweifelt, verbittert, verroht
Deinen wirklichen Feind nicht erkannt bis zum Schluss?
Ich hoffe, es traf dich ein sauberer Schuss?
Oder hat ein Geschoss dir die Glieder zerfetzt
Hast du nach deiner Mutter geschrien bis zuletzt
Bist du auf deinen Beinstümpfen weitergerannt
Und dein Grab, birgt es mehr als ein Bein, eine Hand?

Ja, auch dich haben sie schon genauso belogen
So wie sie es mit uns heute immer noch tun
Und du hast ihnen alles gegeben:
Deine Kraft, deine Jugend, dein Leben

Es blieb nur das Kreuz als die einzige Spur
Von deinem Leben, doch hör' meinen Schwur
Für den Frieden zu kämpfen und wachsam zu sein:
Fällt die Menschheit noch einmal auf Lügen herein
Dann kann es gescheh'n, dass bald niemand mehr lebt
Niemand, der die Milliarden von Toten begräbt
Doch finden sich mehr und mehr Menschen bereit
Diesen Krieg zu verhindern, es ist an der Zeit
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Gruß Claudia

Nicht, weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.
Seneca
« Antworten #3 am: März 01, 2010, 17:00:00 »
faolchu
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Es ist auch nicht leicht bei solchen Aufnahmen die richtige Perspektive zu finden. Die recht scharf zu sehenden Grabsteine vorne auf dem dritten Bild finde ich etwas unglücklich.

Als Zitat hätte ich etwas kürzeres das es auf den Punkt bringt:

Terror ist der Krieg der Armen
Krieg ist der Terror der Reichen
(Sir Peter Ustinov)
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...man weiß, daß bei zehn Photographen vor der selben Wirklichkeit mit dem selben Apparat, dem selben Film und dem selben Licht keine zwei identischen Bilder herauskommen werden.
« Antworten #4 am: März 01, 2010, 17:14:11 »
nico-e420
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Zwei Gedichte, wie sie unterschiedlicher nicht sein können.

Aber es gibt halt zum einen die Kriegstreiber und zum anderen die Soldaten, die für welche Beweggründe auch immer, ihr Leben lassen.

Das spiegelt das Zitat von Sir Peter Unstinov sehr gut wieder.

Zum Bild Nr. 3:

Ja es war wahrlich schwer einen geeigneten Aufnahmestandpunkt zu finden. Ich wollte unbedingt alle Grabsteine draufhaben. Da habe ich das kleine Übel mit den Grabsteinen im Vordergrund in Kauf genommen. Ne offenere Blende für nen schöneren Schärfeverlauf ist mit meinem Kitobjektiv leider nicht drin gewesen bei 40mm.
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LG Nico

"Bilder zu schießen ist die schönste Art jagen zu gehen."

Almut Adler, 1951, münchner Fotokursleiterin
« Antworten #5 am: März 01, 2010, 17:20:34 »
Biggi L.
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Ja,das sind wirklich nachdenklich stimmende Bilder - und ganz besonders im ersten wird deutlich, wie sie da (immer noch) aufgereiht stehn....

Gedichte - Zitate...
da gibt es wirklich viele, mit unterschiedlichsten Aussagen und Blickwinkeln.
Wenn ich noch eins von mir dazu fügen darf?

....

[sinnlos] immer wieder [sinnlos]

Donnernd Grollen einst gehört
nicht der Wetter Fronten Schuld
Bomben, Minen kalt zerstört
grausam gierig’ Ungeduld

Junger Helden hilflos’ Blick
Mütter voller Qual und Pein
Angst des Krieges im Genick
weinend betend ganz allein

Väter in Gefangenschaft
Kilometer weit entfernt
verloren Mut und alle Kraft
vom Familienkreis entkernt

Kinder ohne jed’ Verstehn
nie vergessend diese Kält’
schrecklich’ Bilder nur gesehn
einer Schutt und Asche Welt

-Gefallen-
Väter
Söhne
Brüder
-Sinnlos’ Tode-
immer wieder


© Birgit Lüers
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« Antworten #6 am: März 01, 2010, 18:05:51 »
kaliko
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Hallo Nico!
Das Gedicht..... Hölderlin ist ja ein Thema für sich....
Es ist ja lang vor dem ersten Weltkrieg entstanden, und eigentlich erst im zweiten Weltkrieg als Propaganda benutzt/ missbraucht worden, hat also mit Gräbern aus WKI wenig zu tun.  Wobei ich mir denke, dass der Geist, der daraus spricht, zu jeder Zeit fragwürdig ist.

Ich hab' mich gleich gefragt, warum du gerade diesen Text verwendet hast....
Aus meiner Sicht spricht prinzipiell nichts dagegen, daraus zu zitieren - wenn eine kritische Distanz, ein Gegenüberstellen von  grausamer Realität und Verblendung /Propaganda  erkennbar ist.  So, in Verbindung mit den Bildern, sieht es so aus, als ob du die Gefallenen sprechen lassen willst. Und das passt für mich so gar nicht  no  ...... die Wirklichkeit entsprach wohl eher dem, was Biggi schreibt.

Trotzdem ein interessantes Thema, allemal.
lg
Brigitte

 
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Wer sehen kann, kann auch fotografieren. Sehen lernen kann allerdings lange dauern.
« Antworten #7 am: März 01, 2010, 18:40:06 »
nico-e420
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Ich denke jedes hier vorgestellte Gedicht hat Bezug zu den Bildern. Ob einem der Inhalt der Gedichte nun persönlich gefällt oder nicht. Egal welche Seite des Krieges die Gedichte auch beleuchten.

Das von mir zitierte Gedicht sind ja auch nicht meine Gedanken. Aber ich denke es macht deutlich, wie die Kriegsmaschinerie läuft. Damals, wie heute. Es hat sich nichts verändert. Der Mensch hat nicht dazugelernt. Immernoch lassen Soldaten so wie Zivilisten ihr Leben für Leute, die daheim Ihren Kavier essen.

Im Übrigen hab ich ja die Quelle angegeben. Man könnte ja auch mal dort nachfragen, warum sie gerade dieses Gedicht auf der ersten Seite haben  zwink
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LG Nico

"Bilder zu schießen ist die schönste Art jagen zu gehen."

Almut Adler, 1951, münchner Fotokursleiterin
« Antworten #8 am: März 01, 2010, 18:59:01 »
kaliko
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Hallo Nico!
Ich habe gar nicht behauptet, dass das deine Gedanken wären!  Roll Eyes
Das Gedicht, und was du sagst, drücken meiner Meinung nach  zwei ganz verschiedene Haltungen aus. (Was ohne deine letzte Erläuterung aber nicht ersichtlich ist)  Folgende Zitate:
[...]
Denn die Gerechten schlagen, wie Zauberer,
Und ihre Vaterlandsgesänge
Lähmen die Kniee den Ehrelosen.[...]

[...]Umsonst zu sterben, lieb' ich nicht, doch
Lieb' ich, zu fallen am Opferhügel.[...]

[...]Für's Vaterland, zu bluten -des Herzens Blut
Für's Vaterland - und bald ists gescheh'n! [...]

[...]o Vaterland,
Und zähle nicht die Toten! Dir ist,
Liebes! nicht Einer zu viel gefallen.[/i]

Quelle: http://www.weltkrieg.husfeld-online.de/

... sprechen doch eine ganz eigene Sprache, oder? Und gerade DIESES Gedicht hat aufgrund seiner Vereinnahmung durch die Nazis einen besonderen Beigeschmack.
Was ich meinte ist, dass es wichtig wäre, diesen Text mit ein wenig Beiworten dort hinzustellen, wo er hingehört, damit es nicht so wirkt, als wären es die Worte der Gefallenen.
Und, du hast Recht, die Seitenbetreiber könnte man wirklich fragen, wie sie wohl zu diesem Gedicht gekommen sind. Aus den Texten dort kann ich nicht wirklich eine Antwort herauslesen.

lg
Brigitte
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Wer sehen kann, kann auch fotografieren. Sehen lernen kann allerdings lange dauern.
 
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