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Gutes Objektiv vs. schlechtes Objektiv - Kameras, Objektive, Gerätetechnik
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Autor Thema: Gutes Objektiv vs. schlechtes Objektiv  (Gelesen 11599 mal)

Offline Hypnokröte

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Gutes Objektiv vs. schlechtes Objektiv
« am: 27. April 2007, 01:08 »
Hallo Leute! Ich habe mal eine Frage an die Erfahrenen unter euch. Und zwar: Mir ist aufgefallen, dass Objektive ja von spottbillig bis unbezahlbar gefächert sind. Jetzt wüsste ich gerne - sieht man den Unterschied tatsächlich so stark? Ich habe bisher nur mit billigen Objektiven gearbeitet, mir fehlt also der Vergleich. Hat vielleicht jemand ein Vergleichsbeispiel in Form eines Bildes, das einmal mit gutem und einmal mit schlechtem Objektiv gemacht wurde? Ich wüsste einfach gerne, bevor ich mir ein besseres Objektiv kaufe, wie sich der finanzielle Unterschied auf den Unterschied in der Bildqualität ausprägt. :-)

mfG Tom

Gutes Objektiv vs. schlechtes Objektiv
« am: 27. April 2007, 01:08 »

Offline Jens

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Re: Gutes Objektiv vs. schlechtes Objektiv
« Antwort #1 am: 27. April 2007, 07:37 »
Ich will die Sache mal anders beschreiben: Ich habe lange zu meiner DSLR mein altes Sigma Objektiv genutzt, 28-200, F 4-5.6 glaub ich. Hatte mir dieses Objektiv gekauft, als ich noch kaum Wissen zu Objektiven hatte. Mich beeindruckte damals halt die Flexibilität, ohne zu wechseln solch einen Brennweitenbereich abzudecken. Das ging viele Jahre so. Dann bestellte ich mir den Klassiker, das 50er /1.8 Festbrennweite. Bei den ersten Bildern ist mir fast der Mund offen stehen geblieben, was ich in den letzten Jahren an Schärfe und Kontrastreichtum verschenkt habe.

Grundsätzlich sind Zoomobjektive und Festbrennweiten nicht zu vergleichen, das wäre unfair. Aber das 50er ist seitdem mein Referenzobjektiv, d.h. nicht, das ich keine Objektive mehr kaufe, die subjektiv schlechter sind - allerdings bietet mir dieses Objektiv einen Maßstab, zu welchen Abstrichen ich maximal bereit bin.

Ich habe im Moment keine Vergleichsfotos. Bleibt also zusammenfassend zu sagen: Ein gutes Objektiv biegt keinen schlechten Fotografen gerade oder kann keine Wunder leisten, wenn andere technische Fehler gemacht werden. Letztlich hat es aber eine Qualität, die sich deutlich von schlechten (ich schreibe nicht billigen - mein 50er hat 130 Euro gekostet!) unterscheidet.

Meine Devise wäre hier: Für den Anfang tut es immer ein Standardobjektiv. Bevor man aber anfängt, seinen Objektivpark mit allen nur denkbaren Brennweiten auszustatten und möglichst alles abzudecken: Lieber abwarten und sparen, denn die Freude ist dann um einiges größer.
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digilux

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Re: Gutes Objektiv vs. schlechtes Objektiv
« Antwort #2 am: 27. April 2007, 08:46 »
Da kann ich bei Jens nur unterschreiben.
Ich habe im Einzelfall doppelt gezahlt: Erst günstige Optiken, und dann kam mal eine Steuerrückzahlung und das erste richtig gute Teil, das weitere nach sich zog. Vergleichsbilder kann ich leider auch nicht bieten.

Doch, man sieht den Unterschied - und man spürt ihn auch, denn i.d.R. sind auch Material und Verarbeitung hochwertiger Objektive etwas ganz anderes, das "feeling" gestaltet sich deutlich erfreulicher.

Mein Tip: Geh in den Fotoladen Deines Vertrauens, nimm die Cam mit. Laß Dir ein "L" von Canon oder vergleichbares von Mitbewerbern zeigenund mach ein paar Bilder. Wenn Du die Dir zu Hause ansiehst, wirst Du wissen, was Du tun willst - so oder so.
Allen ein schönes, langes Sonnenwochenende!
Lüder

Offline Rainer

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Re: Gutes Objektiv vs. schlechtes Objektiv
« Antwort #3 am: 27. April 2007, 09:05 »
Hallo Tom,

Beispielbilder habe ich auch nicht parat, zumal meine Erfahrungen mit schlechten Objektiven aus meiner analogen Zeit stammen. Ich müßte Negative oder Dias scannen und dann weiß man nie genau, wieviel Einfluß der Scanvorgang hat.

Wenn man gut und schlecht unterscheiden will, hilft es, über die wichtigsten Objektivfehler Bescheid zu wissen. Denn was man weiß sieht man auch.

Ganz offensichtlich sind Verzeichnungen, d.h. eine gerade Linie wird als Bogen dargestellt. Man unterscheidet tonnenförmige und kissenförmige Verzeichnungen (nicht zu verwechseln mit perspektivischer Verzerrung = stürzende Linien).

Als nächstes wären die Vignettierung zu nennen, d.h. das Bild wird in den Ecken dunkler als in der Mitte.

Auffällig sind auch Randunschärfen, die man nur durch starkes Abblenden wegbekommen kann.

Zu guter letzt kommt die Streulichtempfindlichkeit ins Spiel. Diese wirkt sich auf die Fähigkeit aus, Kontraste darzustellen. Die Bilder wirken flau.

Das ist nur eine Auswahl und die Reihenfolge ist willkürlich. Über das Auflösungsvermögen haben wir z.B. noch gar nicht gesprochen. Wenn Du es etwas genauer lesen willst, schau Dir diesen Link an:

http://www.fotolaborinfo.de/foto/objektivfehler.htm

Ich habe vor Jahren den gleichen Fehler wie Jens gemacht und bin der Tamron-Werbung über das Superzoom 28-200 auf den Leim gegangen. Die Kreta-Dias, die ich damit gemacht hatte, mochte ich niemanden zeigen. Seitdem weiß ich, daß man Bequemlichkeit teuer bezahlen muß. Diese Art Objektive wird nicht zu Unrecht als "Suppenzoom" bezeichnet.

Wie stark man die Schwächen eines Objektivs erkennen kann, kommt natürlich auch auf das Medium an. Wer seine Aldi-Filme im Großlabor entwickeln läßt und mit max. postkartengroßen Billigabzügen aus dem Großlabor das Urlaubsalbum füllt, wird kaum etwas von den Fehlern merken, die ein schlechtes Objektiv produziert (von der Verzeichnung mal abgesehen).

Wer jedoch andere Ambitionen hat, sollte beim Objektivkauf kritischer als bisher vorgehen. Einen Eindruck über meßbare Objektivfehler bekommst Du z.B. bei den Reviews auf www.photozone.de

Gruß

Rainer

Offline FotoFux

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Re: Gutes Objektiv vs. schlechtes Objektiv
« Antwort #4 am: 27. April 2007, 09:19 »
Doch, man sieht den Unterschied - und man spürt ihn auch, denn i.d.R. sind auch Material und Verarbeitung hochwertiger Objektive etwas ganz anderes, das "feeling" gestaltet sich deutlich erfreulicher.

Das habe ich am deutlichsten bei meiner 60er Festbrennweite bemerkt (Canon EF-S 2,8/60 USM) Im Gegensatz zu meinem "günstigen" 28-105 habe ich da richtig Material in Händen. Metallbajonett, solide Verarbeitung, Metallkorpus. Ähnlich wie bei Jens und seinem 50er (1,8!!! - das hole ich mir eventuell auch noch) hat mich hier die mögliche Brillianz der Bilder fast umgehauen. Eine weitere Rolle spielen die Geschwindigkeit des Autofokus und die geringeren Randverzerrungen. Wobei die Linsenränder bei einer DSLR mit einem Cropfaktor von 1,6 weniger ins Gewicht fallen - bei analogen Aufnahmen kann das aber schnell sehr wichtig werden.

Seit dem Tag bin ich dann doch etwas wählerischer in der Objektivanschaffung geworden, habe unter anderem auch das 70-300 Tele wieder verkauft und mir statt dessen lieber nach ein wenig Sparen das 70-200 4,0L zugelegt. Der Spaßfaktor mit einer guten Linse (Achtung: Das ist meine subjektive Meinung!) steigt exponential.

Gruß, Patrick.
« Letzte Änderung: 27. April 2007, 09:36 von FotoFux »

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Offline mikewhv

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Re: Gutes Objektiv vs. schlechtes Objektiv
« Antwort #5 am: 27. April 2007, 13:29 »
Hallo,
die Aussagen der "Vorredner" kann ich nur unterstützen, allerdings ist halt immer der persönliche Finanzrahmen das Maß der Dinge.
Ich bin kein Freund der zur Zeit auf dem Markt befindlichen Fotozeitschriften aber in den "besseren" findest du meist relativ objektive Tests ohne Ende, mit Testfotos und so allem was Dir bei einer Entscheidung weiter helfen kann.
Und natürlich im Netz jede Menge mehr oder weniger nützliches
z. B.
 http://www.traumflieger.de/objektivtest/open_test/ueberblick.php
gruß
Mike
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Offline Hypnokröte

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Re: Gutes Objektiv vs. schlechtes Objektiv
« Antwort #6 am: 29. April 2007, 12:57 »
Vielen Dank für die vielen Antworten! Die Problematik ist mir etwas klarer geworden. :-) War auch nur eine Interesse-Frage. Bin (noch?) nicht so weit, mir gute Objektive zu kaufen. Erstmal muss ich richtig Fotografieren lernen denk ich.  ::)

Offline Petr Zabransky

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Re: Gutes Objektiv vs. schlechtes Objektiv
« Antwort #7 am: 01. Mai 2007, 15:11 »
Hallo Tom,

ich kann mich ebenfalls nur anschließen. Was Objektive teuer macht, sind im wesentlichen zwei Dinge:

1) Die Lichtstärke. Ein Objektiv mit 300 mm Brennweite und größter Blendenöffnung 5,6 hat vorne eine Linse mit 5,5 cm Durchmesser. Bei einem Stück mit Lichtstärke (= größter Blendenöffnung) 2,8 sind es schon 11 cm und das Teil wiegt so 2,5 bis 3 kg. Ein lichtstarkes Objektiv hat zwei Vorteile: 1) man kann damit bei schlechterem Licht bzw. mit kürzeren Verschlusszeiten knipsen und 2) der Schärfenbereich ist bei offener Blende kleiner, sodass man das Hauptmotiv schön vom Hintergrund lösen kann. Es hat freilich auch Nachteile – außer den schon genannten Abmessungen und dem Gewicht ist es auch der Preis. Ein 400 mm Tele mit Lichtstärke 2,8 entspricht preislich – je nach Hersteller – einem Kleinwagen leicht gebraucht bis nagelneu.

2) Die Qualität der Verarbeitung: Glas, aber auch die Frage Metall oder Plastik, und die damit zusammenhängende Robustheit, Präzision, Dichtheit etc. Du darfst nicht vergessen, dass bei jedem Fokussieren (und beim Zoomen) Linsengruppen gegeneinander verschoben werden – bei billigen Objektiven mit größeren Fertigungstoleranzen kommt früher oder später Staub zwischen die Linsen. Minderwertige Gläser zeichnen außerdem nicht so scharf.

Desweiteren ist es für JEDEN Hersteller schwierig bis unmöglich, ein Zoom zu bauen, das über einen großen Brennweitenumfang hinweg und bei jeder Einstellung (nicht  nur der Brennweite, sondern auch der Schärfenebene) konstant gute Resultate liefert. Ein Zoom 28-200 mag bei Brennweite 50 oder 70 mm gute Bilder liefern, bei 200 mm kannst du es entweder völlig vergessen oder darfst wenigstens kräftig abblenden, wenn du ein scharfes Bild ohne regenbogenfarbene Doppelkonturen erwartest. Wissen tu ich´s nicht, aber es würde mich wundern, wenn es von Leica ein Zoom geben sollte, das von 28 bis 200 mm geht. Die bauen sowas erst gar nicht, weil es schlicht technisch nicht möglich ist, für einen solchen Brennweitenumfang ein wirklich scharf zeichnendes Objektiv zu bauen. Deshalb sind nur Zooms mit einem beschränkten Zoombereich wirklich gut – z. B. 70-200 oder 80-200 mm Brennweitenumfang. Was noch eventuell für den Einstieg zu überlegen wäre, wäre ein Zoom von 28-100 und / oder 100-300 mm – das würde ich in etwa als Grenze eines gehobenen, aber nicht extremen Anspruchs auf Bildqualität sehen. Auch dann wäre ich aber bei offener Blende und längerer Brennweite lieber vorsichtig. Es gibt auch Zooms von 100-400 mm; wie gut oder schlecht die sind, weiß ich aber nicht.

Gruß - Petr

Offline Hypnokröte

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Re: Gutes Objektiv vs. schlechtes Objektiv
« Antwort #8 am: 01. Mai 2007, 17:12 »
Ich "arbeite" im Moment mit Festbrennweiten 1.8/50, 2.8/135, 2.8/29 von Pentacon an meiner Praktica Super TL 1000 (schöne Kamera :-) und noch ein Sigma Zoom 3.5-4.5/70-210. Mit allen bin ich - als Laie - vom Bild her recht zufrieden. :-) Und wie gesagt - bevor ich da weiter investiere muss ich erstmal richtig damit umgehen lernen. Vielen Dank nochmal für die ausführlichen Erklärungen!

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Re: Gutes Objektiv vs. schlechtes Objektiv
« Antwort #8 am: 01. Mai 2007, 17:12 »